Back to Ahmedabad

Noch ein Flugzeugbild?! | Another aircraft picture?!

Noch bevor ich Zeit gefunden habe, mich in Guwahati richtig einzufinden, musste ich schon wieder ans andere Ende Indiens jetten, zurück nach Ahmedabad – und das alles für ein paar Unterschriften.
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Before I could settle in Guwahati properly, I had to fly across India again, back to Ahmedabad – for just a few signatures.


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Warum? Ich muss mich als Ausländer bei den örtlichen Behörden am Wohn- und Arbeitsort registrieren. Deshalb bin ich also zum FRO (Foreigner Regional Officer) Guwahati gegangen, wo man mich jedoch abwies, da in meinem Visum der CEE Hauptsitz in Ahmedabad erwähnt ist und man der Meinung war, dass ich mich erst dort registrieren lassen muss, um anschließend meine Registrierung nach Guwahati übertragen zu lassen. Hätte ich das früher gewusst, wäre ich ja vor meiner Reise nach Assam in Ahmedabad zur zuständigen Behörde gegangen. Nun denn, ich konnte das nicht wissen und auch bei CEE war man erstaunt, da es bei vorherigen Freiwilligen anders war – offenbar ist mein Visum anders ausgestellt worden.

Die Registrierung muss eigentlich innerhalb von 14 Tagen nach Ankunft in Indien beantragt werden und diese Frist war gerade erreicht. Ich füllte also so schnell wie möglich das lange Online-Formular erneut aus und bekam einen Termin beim FRRO Ahmedabad für drei Tage später. Noch zwei Tage lang war dann zunächst unklar, ob ich wirklich persönlich bei diesem Termin erscheinen muss oder das auch ein CEE-Mitarbeiter erledigen kann. Doch dann kam der Anruf: “Du musst morgen in Ahmedabad sein. Dein Flieger geht um 20 Uhr, genau in drei Stunden.” Wow, so spontan bin ich noch nie so weit gereist!

Also schnell meine Siebensachen zusammen packen – zum Glück hatte ich am Morgen schon vorsichtshalber das Wichtigste zusammengesucht. Als nächstes das Ticket drucken – Mist, Stromausfall! Als der Strom wieder da und das Ticket gedruckt war, wartete das Taxi schon vor der Tür. Noch knapp zwei Stunden bis zum Abflug und zum Flughafen braucht man eigentlich eine halbe Stunde. Eigentlich.

Es war sechs Uhr abends und Rushhour. Eine Stunde lang Stau und Hupen und meine nervöser werdenden Blicke zur Uhr. Um sieben verließen wir endlich die Stadt. Auf der weniger dicht befahrenen Landstraße gab der Fahrer alles, um trotz Dunkelheit und einsetzendem Nieselregen, erst kurz vor dem Wagen im Lichtkegel auftauchender Schlaglöcher und wiederkäuender Kühe den etwas außerhalb gelegenen Flughafen pünktlich zu erreichen. In Deutschland wären seine Überholmanöver vermutlich kriminell gewesen, aber er fuhr sicher und mein Bedürfnis, die Zeit aufzuholen, wurde befriedigt.

Ich bin zum Glück noch rechtzeitig am Flughafen angekommen und durfte erneut die Flüge der IndiGo-Airline genießen. Es ging zunächst nach Kolkata. Dort übernachtete ich in einem akzeptablen Schlafsaal des Flughafens, den ich aber ohne Nachfragen nicht gefunden hätte: Der Weg dorthin führte entlang eines verlassenen alten Terminalgebäudes – nicht gerade vertrauenerweckend am späten Abend. Es war dort aber immerhin recht viel Wachpersonal unterwegs.

Am frühen Morgen ging dann mein Flug mit Zwischenstopp in Jaipur nach Ahmedabad. Nach nun insgesamt fünf Etappen Inlandsflug kann ich inzwischen die Sicherheitsdurchsagen wohl auch auf Hindi mitsprechen.

Zurück nach Ahmedabad zu kommen war zunächst sehr merkwürdig. Schließlich war das die erste Stadt, die ich Indien besucht habe. Und nun kam ich wieder mit dem Flugzeug an, wie bei meiner ersten Landung zwei Wochen zuvor. Meine Stimmung lag irgendwo zwischen Déjà-Vu, fehl am Platz sein und dem Gefühl in Richtung nach Hause zu fahren. Zwar freute ich mich darauf, so unverhofft viele Leute wiederzutreffen, aber eigentlich wollte ich mich doch endlich in Assam einleben.

Die Registrierung lief immerhin relativ problemlos ab. Zwei Tage verbrachte ich damit, Dokumente einzureichen, Dokumente zu unterschreiben und Fragen zu beantworten, aber hauptsächlich in einem heißen Wartesaal darauf zu warten, dass meine Dokumente bearbeitet werden. Glücklicherweise begleitete mich Nisha am ersten Tag, alleine hätte ich wohl nicht verständlich machen können, dass ich erst in Ahmedabad, dann in Guwahati war und jetzt wieder in Ahmedabad bin und mich aber für Guwahati registrieren möchte und so weiter.

Dann war erst mal Wochenende. Den Samstag habe ich fast komplett verschlafen und am Sonntag waren Fritz, Paula und ich die Altstadt erkunden und haben die Jama Moschee besucht. Als ich am Montag dann endlich meine Registrierungsunterlagen in den Händen hielt war ich super glücklich – und zur Feier des Tages mailten meine Eltern mir mein Bachelorzeugnis, auf das ich zugegebenermaßen ziemlich stolz bin!

Im Nachhinein bin ich wirklich froh, dass ich in Ahmedabad war, denn am Ende der letzten Woche hatte ich die Gelegenheit, Meenam und Omkar kennen zu lernen, die im Rahmen des Süd-Nord-Programms ein Jahr lang Freiwillige bei der KURVE Wustrow sein werden. Bei CEE hat nämlich das Vorbereitungsseminar für die beiden stattgefunden, das Fritz, Paula, Nisha und ich geleitet haben. Die Einheiten sind von der KURVE vorbereitet worden und die Methoden waren uns von unserem Ausreiseseminar bekannt, sodass das Seminar sehr entspannt ablief. In unserer kleinen Gruppe derzeitiger und zukünftiger Freiwilliger haben wir viel diskutiert und erzählt von unseren jeweiligen Heimat- und Partnerländern Indien, Bhutan und Deutschland. Besonders spannend war es, die verschiedenen Meinungen und Sichtweisen auf Themen wie Vorurteile, Stereotypen, Rassismus oder auch die Flüchtlingssituation in Deutschland und Indien zu hören. Ich bin sehr gespannt darauf, was Omkar und Meenam erleben und wie sie unsere Entsendeorganisation als Aufnahmeorganisation kennen lernen werden.

von rechts nach links: Omkar, Fritz, Meenam, Paula & ich

Inzwischen bin ich die Rückreise nach Assam angetreten: Mit dem Zug 2782 Kilometer in ca. 57 Stunden quer durch Nordindien! Ich bin zwar in Europa schon viel mit der Bahn gereist – die insgesamt längste Zug-Reise war die Interrailtour 2012 mit Mischa und die weiteste Tagesdistanz habe ich wohl mit Helen von Kiel nach Marseille zurückgelegt – aber das ist jetzt die längste Direktverbindung, die ich je erlebt habe! Auch hier bin ich nicht allein: Ich habe bereits Leute in meinem Alter kennen gelernt, die ebenfalls nach Guwahati unterwegs sind.

Soweit erst mal mein Bericht über die Ahmedabad-Reise. Hoffentlich folgt als nächstes etwas mehr über Guwahati – falls nicht eine weitere Spontanreise dazwischen kommt.

Ich freue mich übrigens sehr über alle eure Kommentare, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten!

zu den Fotos am Ende des Artikels 



Why? As foreigner I have to register at the local authorities in the town where I live and work. So I went to the FRO (Foreigner Regional Officer) Guwahati. There, however, my application for registration was rejected, because in my visa the CEE headquarters in Ahmedabad are mentioned. I was told to register there first and let them transfer my file to Guwahati afterwards. If I had known that earlier, I would have gone to the authorities in Ahmedabad before travelling to Assam! Well, I couldn’t know and at CEE they were surprised as well since it had been different for previous volunteers. Obviously, my visa is different.

Normally, one has to apply for registration within 14 days after arrival in India. That time was about to run out. So I filled up the online form once again as fast as possible and received an appointment at FRRO Ahmedabad for only three days later. During the next two days, it remained unclear if I really had to appear to that appointment in person or if a CEE staff member could go there instead. But then I received that call saying: “You have to be in Ahmedabad tomorrow. Your flight starts at 8 pm, in exactly three hours.” Wow, I’ve never travelled so far that spontaneous!

So I collected my belongings quickly – fortunately I had already prepared the most important things in the morning. Next, printing the ticket – damn, power blackout! When finally the power supply was back again and the ticket was printed, the cab was already waiting for me. Almost two hours left until departure. To the airport it normally takes about half an hour. Normally.

It was 6pm and rush hour. One hour of traffic jam, horning and my glances at the watch becoming more and more nervous. Around 7pm we eventually quit the city. On the less crowded highway, the driver tried his best to reach the airport in time. Despite the darkness and the drizzle plus road holes and cows appearing just a few metres from the car we got there quite fast. In Germany, the overtaking manoeuvres probably would have been considered criminal, but we drove safe and my need for gaining time was satisfied.

Luckily, I reached the airport just in time. So then I could enjoy another flight by IndiGo airline. I went to Kolkata first and spent the night in an acceptable dormitory at the airport. I had to ask for the way though: It’s situated behind an old abandoned terminal building – I was not so confident to walk there late at night. But at least there have been quite many security guards around.

In the early morning, I took the flight to Ahmedabad via Jaipur. After altogether five sections of Indian domestic flight, I can eventually speak all security announcements in Hindi.

Coming back to Ahmedabad was strange for me at fist since it was the first town I ever visited in India. My mood was a mixture of déjà vu, feeling like travelling towards home and being out of place at the same time. Though I was happy to unexpectedly meet many people again, I rather wanted to start my stay in Guwahati.

At least my registration was completed without further troubles. I spent two days submitting documents, signing even more documents, answering questions and mainly waiting in a waiting hall for my files to be processed. Gladly Nisha accompanied me on the first day. On my own I perhaps would have encountered some difficulties when explaining that I was in Ahmedabad first, went to Guwahati and back and, however, want to register for Guwahati.

In between I spent the weekend relaxing and sleeping all Saturday. On Sunday, Paula, Fritz an me visited the old town of Ahmedabad and the Jama Mosque. The day after, I finally received my registration certificate and was very happy. Making me feel even better and also a bit proud, my parents sent me my Bachelors certificate that had just arrived!

Looking back, I am now really happy that I went to Ahmedabad as I had the chance to get to know Meenam and Omkar. Both of them will join KURVE Wustrow as volunteers for one year as part of the weltwaerts South-North programme. At the end of the week, their pre-departure seminar was taking place at CEE which was conducted by Paula, Fritz, Nisha and me. The units had been prepared by KURVE and we knew all the methods from our own pre-departure seminar. So the seminar was running well. As a small group of current and future volunteers we discussed and reported a lot about our respective home and partner countries India, Bhutan and Germany. I really liked to get to know everyone’s opinion on topics like prejudices, stereotypes, racism but also the refugee situation in Germany and India. I’m very excited for Meenam and Omkar and would like to know, how they experience my sending organisation as their hosting organisation.

By now, I’m on my way back to Assam: Travelling 2782km across India for some 57h by train! Even though I travelled a lot by train in Europe – my longest train journey was the Interrail tour 2012 with Mischa, the longest train distance in one day probably Helen’s and mine trip to South France – I am now attending my longest direct connection! Again I am not alone: I’ve already met people of my age who travel to Guwahati as well.

from right to left: Omkar, Fritz, Meenam, Paula and me

For now that should be enough for the report of my Ahmedabad trip. I hope to publish some more details about Guwahati soon – if I’m not going on another spontaneous trip.

By the way, I’m really happy about all your comments, even though I haven’t got the time to answer them all!


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9 thoughts on “Back to Ahmedabad

  1. Mischa says:

    Mein Lieber,
    deine Schreibkünste haben trotz Physikstudiums und heftigstem Abstrern kein bisschen nachgelassen – nicht schlecht! Musste einige Male Schmunzeln. 😛 Auch aus medzinischer sicht musste ich bei “warmen überfüllten Wartezimmern” auflachen und an die Krätze denken 😀 Ja, schön, dass du gleich in den ersten Wochen Rekorde brichst!! Wie in allen meinen Nachrichten an dich, habe ich wieder einmal unösbare Aufgaben für dich:
    a) lerne während des nächsten Jahres, entspannt auf Fotos zu gucken 😀 und hol das Hemd aus der Hose heraus!
    b) magste mir ne Nachricht bei Textsecure schreiben? der Chat mit dir ist verloren gegangen, ich habe mein Handy von Hochbett geschmissen und nun ist es endgültig kaputt: Es hat eine Halbseitenlähmung, sodass ich die Sperre immer nur bis zu häfte kriege 😀 habe es auch schon mit Schwung versucht 😛

    P.s.: Heute kommen die Bilder!

  2. Tilman says:

    Jetzt weiß ich nicht, ob ich dich beneiden soll oder nicht…
    Den Stress müsste ich nicht unbedingt haben, aber die ganzen überraschenden Begegnungen und Beziehungen, die aus den Umständen plötzlich entstehen.
    Vielen Dank für deinen anschaulichen Bericht und die Fotos, da ist man ja sofort mittendrin und fiebert mit auf der Taxifahrt oder den Bürostuben.
    Herzlichen Glückwunsch, dass du das alles noch geschafft hast – und natürlich auch zum Bachelor:).

  3. Bettina says:

    Wow! Du erzählst derartig plastisch. Mir bleibt beim Lesen die Luft fast weg. Welch eine Erleichterung : Der Drucker druckt das Ticket…das Taxi erreicht den Flughafen…. die Behörde arbeitet…. du bist heil zurück in Guwahati (und hast dabei noch nette Leute getroffen).

  4. Jonathan says:

    Da hat der Bürokratiewahnsinn ja mal wieder richtig zugeschlagen :-)
    Lass dich nicht unterkriegen, den Fotos nach ist es viel zu schön da!

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